Dortmund zu Fuß
Ortsgruppe des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland FUSS e.V.

Sperrung Bolmke

Ein Sanierungsbeschluss und seine Folgen

In der Sitzung am 29. 01. 2013 hat die Bezirksvertretung Hombruch beschlossen, den Weg in Bolmke nicht asphaltiert zu sanieren. Dabei haben wassergebundene Decken keinerlei Vorteil gegenüber einer geteerten Decke, so eine Studie des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Den Beschluss nahm die Stadt zum Anlass, die Wegeführung verbessern zu wollen (Drucksache 07086-17-E1

Die Verwaltung hat entsprechend geplant, den asphaltierten Waldweg auf dem Südufer der Emscher zu entsiegeln und mit einer wassergebundenen Dolomitsanddecke zu befestigen. Dabei soll die Wegetrasse in einigen Abschnitten nach Süden verlegt werden, um einen größeren Abstand zur bestehenden Böschung zu erreichen.

Dabei tauchten Probleme auf (Drucksache 01326-15-E2):

Da beim Ausbau der Trageschicht und insbesondere beim Verlegen der Wegeachse in den Oberboden eingegriffen wird, wurde bei der Bezirksregierung Arnsberg angefragt, ob sich im Bereich des Weges Kampfmittel befinden. […] Die Untersuchung hat ergeben, dass sich auf den betroffenen städtischen Grundstücken neun Bildgängerverdachtspunkte befinden. […] Im Zuge einer Ortsbesichtigung bat die Bezirksregierung ihre Abteilung 6 „Bergbau und Energie in NRW“, um eine gutachtliche Einschätzung ob im Bereich der Blindgängerverdachtspunkte Gefahren durch tagesnahen Bergbau bestehen. Insbesondere, ob beim Sondieren mit einem ca. 8 Tonnen schweren Bagger besondere Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind. Auf Nachfrage haben die Abteilung 6 der Bezirksregierung Arnsberg und die Bergwerkseigentümerin, E.ON SE, mitgeteilt, dass sich im Untersuchungsraum mehrere verlassene Tagesöffnungen befänden. Außerdem sei im Untersuchungsraum wahrscheinlich tagesnaher und oberflächennaher Bergbau umgegangen. […] Als Sofortmaßnahme hat der Forstbezirk Süd den gefährdeten Bereich gesperrt und eine Umleitung ausgewiesen.

Am 23. oder 24. April 2015 erfolgte für die Bevölkerung überraschend diese Sperrung als Sofortmaßnahme auf der West-Ost-Strecke durch die Bolmke in Dortmund im mittleren Abschnitt.

Zustand 24. 04. 2015

Im Juni wurde dann ein Gutachten über mögliche Gefahren durch tagesnahen Bergbau
im Bereich des Weges und im Bereich der Blingängerverdachtspunkte ausgeschreiben Drucksache 01326-15-E2):

Das Gutachten soll auf der Grundlage einer Grubenbildeinsicht eine gutachtliche Einschätzung der Einwirkungsrelevanz der vorhandenen bergbaulichen Verhältnisse enthalten. Außerdem soll es eine Aussage über ggf. notwendige Baugrunderkundungen bzw. notwendige bautechnische Vorsorgemaßnahmen enthalten. Insbesondere auf folgende Fragen soll das Gutachten Antworten geben:
1. Welche Maßnahmen sind erforderlich, um die von der Bezirksregierung genannten, verlassenen Tagesöffnungen zu sichern?
2. Welche Maßnahmen sind erforderlich, um eine Gefahr durch Bergschäden für die Nutzer des Weges auszuschließen?
3. Welche Maßnahmen sind erforderlich, um eine Gefahr durch Bergschäden bei der Sondierung und ggf. Räumung der Blindgängerverdachtspunkte auszuschließen?

Außerdem hieß es, dass die Dauer einer eventuell notwendigen Sanierung von Bergschäden und der entsprechenden Sperrung nicht möglich sein ( Drucksache 01326-15-E2).

Im September 2015 lag das Gutachten dann vor <a href="https://dosys01.digistadtdo.de/dosys/gremrech.nsf/TOPWEB/01326-15-E3>Drucksache 01326-15-E3:

Im Bereich des zu sanierenden Waldweges liegen sechs Stollen und vier senkrechte Schächte, sogenannte Lichtlöcher. Da in den Aufzeichnungen der Bergbehörde keine Hinweise auf eine Sicherung der Lichtlöcher vorliegen, muss davon ausgegangen werden, dass die Lichtlöcher ungesichert sind. Die Lage eines dieser einsturzgefährdeten Lichtlöcher vermutet der Gutachter in einer geringeren Entfernung zum Bolmker Weg als die Bezirksregierung sie angegeben hat. […] Die Bezirksregierung als zuständige Bergbehörde wurde gebeten, in eigener Zuständigkeit die Lichtlöcher zu untersuchen und bei Bedarf zu sichern. Eine Antwort liegt noch nicht vor.

Weil der priorisierte Autoverkehr nicht betroffen ist, gab es erst nach 10 Monaten eine Einigung zwischen der Stadt Dortmund und der Bezirksregierung Arnsberg über die Zuständigkeit für die Beseitigung der Sperrung in der Bolmke, berichtete der WDR (nicht mehr online): Die Stadt sei für die Beseitigung der Bergschäden und Bombenblindgänger zuständig. Gegenüber VeloCityRuhr.net (nicht mehr online) erwartete die Stadtverwaltung im Februar 2016 eine noch länger andauernde Sperrung, die eventuell auch länger als zwei Jahre dauern könnte. Die Sanierungskosten im unteren sechsstelligen Bereich müssten erst einmal durch mit dem Haushalt freigegeben werden. Danach könne man die Leistungen ausschreiben.

Im April 2016 wurde von der Stadtverwaltung weiterhin die Notwendigkeit der Sperrung betont, ohne darauf einzugehen, wie lang diese noch anhalten soll. (Drucksache 03914-16-E1). Auch ein weiteres Jahr später im Mai 2017 gab es immer noch keinen Konzept, wie die Sanierung voran gehen soll (Drucksache 07086-17-E1

Zurzeit finden die Untersuchungsarbeiten im Rahmen der bergbaulichen Begleitung der Kampfmitteluntersuchungen statt. Anschließend sollen die Blindgängerverdachtspunkte überprüft und danach die übrigen Bergbaurelikte untersucht werden. Erst nach dem Abschluss der Untersuchungen ist absehbar, welchen Aufwand die Sanierung der Bergschäden erfordert. Bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten muss der Weg gesperrt bleiben.

Im Juni 2017 schloss die Stadtverwaltung gegenüber der Bezirksvertretung Hombruch eine Sanierung für 2017 aus und stellte sie für 2018 in Aussicht (Drucksache 07086-17-E2). Auch im September 2017 blieb weiterhin unklar, wie lange der unbefriedigende Zustand noch weiter andauern soll, berichtete waz.de:

Und ein Ende ist nicht in Sicht. "Die Untersuchung der Kampfmittel und die weitere Untersuchung und gegebenenfalls die Sanierung der Bergschäden wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen", teilte Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage unserer Zeitung mit. "Beim aktuellen Verfahrensstand ist nicht zu erwarten, dass in diesem Jahr noch mit dem Wegebau begonnen werden kann." […] Warum die Untersuchungen so lange dauern, dazu gab es bislang keine Antwort. Ebensowenig über die Dauer der Sanierung. Denn bevor der Weg neu angelegt wird, müssen zunächst die Bombenverdachtspunkte geklärt und mögliche Blindgänger entschärft werden.

Im September 2018 gab es eine Nachfrage in der BV Hombruch zum Sachstand (Drucksache Nr. 12057-18)

Umleitung

Immerhin hatte man direkt mit der Sperrung eine Umleitung ausgeschildert, die aber nicht vorschriftsgerecht ist. Anstelle von Wegweisern wurde sie mit Zusatzzeichen beschildert. Diese dürfen von speziellen Ausnahmen abgesehen, nicht alleine stehen. Interessant ist auch, dass die Umleitung direkt mit im Boden eingelassenen Pfosten errichtet wurde. Immerhin ist das verstellsicherer als mobile Pfosten. Da diese Zeichen an extra aufgestellten Holzpfosten befestigt wurden, war das vor allem ein Indiz dafür, dass man direkt von einer längeren Sperrung ausging. Nur wird die notwendige Aufstellhöhe für Umleitungsschilder von 2,20 m über Radwegen (2,00 m über Gehwegen) bzw. hier eher Aufstellhöhe auf Grünstreifen/neben der Fahrbahn von 1,50 m wohl nicht erreicht (Korsch o. J. a). Ich hab es aber nicht nachgemessen. Auch eine sachgerechte Kennzeichnung des Endes der Umleitung gibt es nicht (Korsch o. J. b).

Damit aber nicht genug. Es wurden völlig falsche Schilder verwendet. Die Umleitung wurde nicht mit den Verkehrszeichen 454 <Umleitungswegweiser>, 421 <Wegweiser für bestimmte Verkehrsarten>, 422 <Wegweiser für bestimmte Fahrzeugarten> etc. ausgeschildert. Dafür wurde eine Umleitung mit Schildern ausgeschildert, die ähnlich den Zusatzeichen 1000-12 bzw. 1000-22 <Fußgänger Gehweg gegenüber benützen> sind. VZ 1000-12 „Fußgänger Gehweg gegenüber benutzen, linksweisend“ etc. machen bei einem straßenunabhängigen gemeinsamen Geh- und Radweg natürlich keinen Sinn. Zusätzlich zu dem Fußgängersymbol ist auch ein Fahrrad abgebildet.

Zustand 24. 04. 2015

Die Umleitung führt durch eine Kleingartenanlage. Die Umleitungsstrecke wurde erst mehrere Monate nach der Einrichtung versteckt im Ratsinformationssystem als Karte in der Anlage einer Drucksache veröffentlicht Drucksache 01326-15-E2. So musste man sich zuerst so behelfen. Wenn man vom Westen Richtung Osten gefahren ist und sich immer nach links orientierte, kam man ohne Umwege durch die Anlage. Zwischendurch sah man nur zwei Zwischenwegweiser außerhalb der Kleingartenanlage.

Zustand 24. 04. 2015
Zustand 24. 04. 2015

Eine Aufhebung des allgemeinen Radfahrverbots in Grünanlagen in Dortmund gab es nicht. Dann passierte erst einmal nichts.

Im Sommer 2017 berichtete VeloCityRuhr.Net (nicht mehr online), dass es immer noch keine Korrektur gab.

Die Richtlinien zur Sicherung von Arbeitsstellen sind die einschlägigen Sicherheitsrichtlinien, die bei der Absicherung hier angewendet werden müssten. Auch das schafft die Stadt Dortmund nicht.

Empfehlung zur Umgehung/Umfahrung

In Ost-West-Richtung empfiehlt es sich, den Weg nördlich der Emscher zu nutzen. Wenn man aus/in Richtung Süden unterwegs ist, gibt es je nach genauem Start- oder Zielpunkt verschiedene Alternativen.